Smart Health in Deutschland – aktueller Status und Zukunftsperspektiven

 

Inhalt

  1. Wie entstand Smart Health?
  2. Wie weit ist Smart Health in Deutschland?
  3. Wieviel Smart Health wünschen sich die Deutschen?
  4. Umgang mit Datenschutz
  5. Wie akzeptabel ist die Online-Praxis?
  6. Smart Health und die Krankenkassen
  7. Zukunftsperspektiven für Smart Health

 

Smart Health in Deutschland

Seine Präsentation des ersten iPhones auf der MacWorld 2007 leitete Steve Jobs mit den Worten ein, dass Apple mit dem Gerät das Telefon neu erfunden hatte. Er sollte Recht behalten: Das iPhone wurde zum Ausgangspunkt einer mobilen Revolution, die nicht nur die Handynutzung, sondern den gesamten privaten und geschäftlichen Alltag grundlegend verändert hat. Smartphones werden heute als das „Cockpit der digitalen Transformation“ vom Bundesverband Digitale Wirtschaft bezeichnet. Sie sind zu einem der wichtigsten Kommunikationsmittel geworden, für nachhaltigen Erfolg müssen Unternehmen auch eine mobile Strategie entwickeln. Die Gesundheitsbranche ist hiervon nicht ausgenommen.

Smart Health ist ein Thema, das im Zuge der digitalen Transformation immer mehr an Relevanz gewinnt. Rund um digitale Gesundheitsangebote, aber auch im Bereich der medizinischen und medizintechnischen Forschung und Entwicklung hat sich ein sehr dynamischer und zukunftsträchtiger Markt entwickelt. Experten aus Politik, Medizin und Wirtschaft gehen davon aus, dass Smart Health, Big Data und künstliche Intelligenz die medizinische Versorgung optimieren wird und gleichzeitig zu massiven Einsparungen im Gesundheitswesen beiträgt, schreibt die Ärztezeitung. Zu einem vergleichbaren Ergebnis kommt eine Studie der Unternehmensberatung pwc: Demnach führt Smart Health potentiell zu einer deutlichen Verbesserung der medizinischen und operativen Exzellenz. Im Jahre 2014 beliefen sich ihre monetären Effizienzpotenziale für das bundesdeutsche Gesundheitswesen auf insgesamt 39 Milliarden Euro. Die Crux dabei: Der größte Teil dieses Potenzials wird in Deutschland bisher nicht genutzt.

Eine aktuelle Studie der Techniker Krankenkasse (TK) nähert sich dem Thema Smart Health aus einer anderen Perspektive: Die Gesundheitsexperten wollten wissen, in welchem Umfang die Deutschen derzeit digitale Gesundheitsangebote nutzen und welche Erwartungen sie in einem Zehnjahreszeitraum an ein dann deutlich stärker digitalisiertes Gesundheitswesen haben. Die Untersuchung weist aus, dass sich die Mehrheit der Befragten noch gar nicht vorstellen kann, welche Möglichkeiten Smart Health aktuell und perspektivisch bietet. Künstliche Intelligenz oder die medizinischen Potenziale von Big Data sind hier nicht einmal am Rand ein Thema. Viele der Studienteilnehmer stehen auch einer gesundheitsbezogenen Handynutzung skeptisch gegenüber. Die Ergebnisse der Erhebung werden im Folgenden zusammenfassend dargestellt.

Vor allem das mobile Internet hat auch die Voraussetzungen für Smart Health geschaffen. Drei Viertel der durch die TK Befragten verfügen über ein privates Smartphone und waren somit in der Lage, Online-Angebote auch über mobile Apps zu nutzen. 70 Prozent von ihnen besitzen einen Laptop, 55 Prozent nutzen außerdem einen stationären Rechner. Tablets – in Deutschland ursprünglich eher Nischenprodukte – haben in den letzten Jahren deutlich aufgeholt, knapp die Hälfte der Studienteilnehmer ging auch mit ihnen online. Die Handynutzung der Deutschen fokussiert sich eindeutig auf das Smartphone, nur noch ein Drittel der Befragten verwendet nach wie vor ein konventionelles Handy. Dagegen gaben nur sehr wenige Studienteilnehmer an, eine Smartwatch zu verwenden. Jedoch gewinnen diese Smart-Health-Gadgets auch in Deutschland zunehmend an Bedeutung. In den letzten Jahren stiegen ihre Absatzzahlen sukzessive an, im Jahr 2017 haben sie erstmals die Millionengrenze überschritten.

Smartphone Nutzung nach Alter

Die Verfügbarkeit digitaler Kommunikationsmittel ist in Deutschland hoch und steckt den Rahmen für die aktuellen Möglichkeiten von Smart Health ab. Zudem gibt es hier kaum Unterschiede zwischen den Geschlechtern oder urbanen und ländlichen Regionen. Dagegen wird vor allem im Hinblick auf die Handynutzung eine Altersschere deutlich: In der Altersgruppe zwischen 18 und 49 Jahren haben sich Smartphones weitgehend durchgesetzt. 90 Prozent der 18- bis 39-jährigen und 84 Prozent der 40- bis 49-jährigen nutzen die Geräte. Jenseits des 50. Geburtstags nimmt der Anteil der Smartphone-Nutzer sukzessive ab. Über private Notebooks verfügen ebenfalls vor allem jüngere Verwender. Tablets und Smartwatches sind dagegen vor allem eine Domäne der 30- bis 49-jährigen, wobei Technikaffinität und die finanziellen Möglichkeiten zur Anschaffung der Geräte zusammenfallen dürften.

Keinerlei digitale Kommunikationsmittel verwenden lediglich zwei Prozent der Befragten, der Verzicht auf jede Handynutzung – also auch auf konventionelle Handys – ist hier eingeschlossen. Am höchsten ist ihre Rate mit sieben Prozent in der Altersgruppe zwischen 60 und 70 Jahren.

Datenschutz und Datensicherheit haben für die absolute Mehrheit der für die TK-Studie Befragten einen sehr hohen Stellenwert. Auch hier wirkt sich der Altersfaktor aus: Für 97 Prozent der 18- bis 59-jährigen, aber nur für 87 Prozent der über 60-jährigen sind diese Punkte wichtig. Befragte mit einer grundsätzlich positiven Einstellung gegenüber Smart Health tendieren auch dazu, dem Schutz ihrer persönlichen Daten größere Bedeutung zuzumessen.

Das Thema Smart Health schließt die Online-Verfügbarkeit von Gesundheitsinformationen ein. 66 Prozent der Studienteilnehmer nutzen das Internet, um sich solche Informationen zu beschaffen, weitere 21 Prozent können sich vorstellen, künftig Gesundheitsthemen online zu recherchieren. Beteiligt daran sind alle Altersgruppen. Ein höherer Bildungsstand und ein gutes Einkommen fördern das Interesse an Gesundheitsinformationen aus dem Netz.

Über 90 Prozent der Befragten sind davon überzeugt, dass es in zehn Jahren zum Alltag gehören wird, Gesundheitsinformationen online abzurufen. Interessant ist in diesem Kontext, dass sich 62 Prozent der Frauen, aber nur 51 Prozent der Männer dementsprechend äußern.

Allerdings bewerten nur 53 Prozent der Studienteilnehmer diese antizipierte Entwicklung auch als positiv, 44 Prozent stehen ihr eher skeptisch gegenüber. Letztere finden sich vor allem unter Älteren sowie unter Menschen mit schlechterem Gesundheitszustand.

In Facebook, Twitter & Co. ist bisher nur ein Prozent der Befragten mit der Absicht unterwegs, sich über Gesundheitsthemen auszutauschen. Weitere zehn Prozent könnten sich vorstellen, künftig Gesundheitsthemen auch in diesem Rahmen anzusprechen. Für 80 Prozent der Befragten ist dies dagegen völlig ausgeschlossen. Diese Relation ist mit Ausnahme derjenigen, die bereits gesundheitsbezogene oder therapeutische Handy Apps verwenden, in allen Alters-, Bildungs- und Einkommensschichten anzutreffen. Dagegen sind für 30 Prozent der Smart-Health-affinen Studienteilnehmer auch die sozialen Medien als Quelle für Gesundheitsinformationen interessant.

72 Prozent der Befragten erwarten, dass die sozialen Netzwerke als Informationsquelle und Kommunikationsplattform für Gesundheitsthemen eine deutlich größere Rolle spielen werden. Als positiv wird dieser Ausblick jedoch nur von 16 Prozent bewertet. Vor allem Vertreter der jüngeren Altersgruppen – also diejenigen, die diese Medien besonders häufig nutzen – bewerten eine Entwicklung der sozialen Medien zur Gesundheitsplattform skeptisch.

Gesundheit per App gilt dagegen als ein Zukunftsmarkt, der angesichts der intensiven Handynutzung der deutschen Wohnbevölkerung bereits heute eine sehr dynamische Entwicklung zeigt. Aktuell sind über 400.000 gesundheitsbezogene Smartphone Apps verfügbar, die speziell für Smartphones und Tablets entwickelt wurden. Solche Handy Apps können beispielsweise zur Aufzeichnung von Gesundheitsdaten dienen, Körperfunktionen und Krankheitssymptome überwachen, an die

Einnahme von Medikamenten erinnern oder persönliche Gesundheits- und Fitnessprogramme unterstützen. Die durch Smartphones und Tablets neu definierte Handynutzung bildet die Basis für den Erfolg solcher gesundheitsbezogener Smartphone Apps. Auf vielen Geräten sind solche Handy Apps oder ein Fitness-Tracker bereits vorinstalliert und werden von den Verwendern der Smartphones auch gerne akzeptiert.

Angesichts der Omnipräsenz von Smartphones und der großen Zahl gesundheitsbezogener mobiler Anwendungen wäre eigentlich zu erwarten, dass sich die Befragten der TK-Studie für die Gesundheit per App in besonders hohem Maße interessieren. Die TK-Erhebung zeigt jedoch, dass mobile Gesundheit nur für fünf Prozent der Studienteilnehmer, praktische Relevanz besitzt. 28 Prozent stehen einer künftigen Nutzung gesundheitsbezogener Handy Apps offen gegenüber. Dagegen geben 67 Prozent der Studienteilnehmer an, dass Gesundheit per App für sie auf keinen Fall in Frage kommt. Zu ihnen zählen insbesondere ältere oder kranke Menschen, die von der Gesundheit per App möglicherweise in
besonders hohem Maße profitieren könnten.

86 Prozent der Befragten sind davon überzeugt, dass mobile Gesundheit in zehn Jahren im Vergleich zu heute eine deutlich größere Rolle spielen wird. Studienteilnehmer, die bereits heute gesundheitsbezogene Smartphone Apps oder technische Smart-Health-Gadgets nutzen, sind sogar zu 95 Prozent dieser Überzeugung. Allerdings wünschen sich nur 34 Prozent der Studienteilnehmer künftig eine größere Bedeutung von Mobile Health, wobei sich hier altersabhängige Unterschiede zeigen.
Die Gesundheit per App befürworten 47 Prozent der 18- bis 29-jährigen. Unter den 30- bis 49-Jährigen wünschen sich rund 35 Prozent, dass mobile Gesundheit künftig an Relevanz gewinnt. Dagegen vertreten unter den 50- bis 59-jährigen und den 60- bis 70-jährigen nur 29 respektive 22 Prozent diese Meinung.

Mit wachsendem Bildungsniveau steigt auch der Anteil der Befürworter von Mobile Health. Gesundheit per App als Zukunftsszenario wünschen sich 40 Prozent der Studienteilnehmer mit Abitur oder einem Hochschulstudium, dagegen nur 27 Prozent derjenigen mit einem einfachen Bildungsabschluss.

Smartphone Apps für digitale Therapien oder eine Handydiagnose?

Ein spezieller Fall im Hinblick auf mobile Gesundheit sind digitale Therapien oder auch Diagnosestellungen auf der Grundlage von Handy Apps. Persönliche Erfahrungen mit therapieunterstützender Mobile Health haben bisher lediglich zwei Prozent der Befragten – die meisten von ihnen stammen aus der Altersgruppe zwischen 30 und 49 Jahren. Ein weiteres Drittel der Studienteilnehmer steht der Verwendung therapeutischer Smartphone Apps offen gegenüber. Dagegen würden 65 Prozent therapieunterstützende Handy Apps grundsätzlich nicht nutzen.

Therapeutische Smartphone Apps werden insbesondere von Frauen und älteren Menschen abgelehnt. Nur 27 Prozent der Frauen, aber 38 Prozent der Männer können sich vorstellen, therapeutische Mobile-Health-Anwendungen zu verwenden. Unter den 60- bis 70-jährigen wären nur 15 Prozent bereit, solche Handy Apps zu nutzen.

Dass mobile Gesundheit in Form digitaler Therapien oder einer Handydiagnose in zehn Jahren eine deutlich größere Rolle spielen wird, glauben 75 Prozent der Befragten. Als wünschenswert betrachten diesen Trend jedoch nur 32 Prozent von ihnen.

Therapeutisch definierte Gesundheit per App und Smart-Health-Affinität

Ob mobile Gesundheit durch therapieunterstützende Smartphone Apps für die Befragten attraktiv ist, hängt auch davon ab, welche Affinität zu Smart-Health-Themen sie besitzen:

  • In der Gesamtstichprobe ist mobile Gesundheit nur für 33 Prozent der Studienteilnehmer ein positiv besetztes Thema.
  • Von denjenigen, die das Internet zur Recherche nach Gesundheitsthemen nutzen, die elektronische Gesundheitsakte befürworten oder ihre medizinischen Daten für  Forschungszwecke zur Verfügung stellen würden, können sich knapp 40 Prozent vorstellen, auch therapeutische Smartphone Apps zu verwenden.
  • Für 64 Prozent der Studienteilnehmer, die bereits Erfahrungen mit gesundheitsbezogenen Mobile-Health-Anwendungen haben oder sich vorstellen können, diese Möglichkeit zukünftig zu nutzen, sind auch therapeutische Smartphone Apps von Interesse. In dieser Gruppe wünschen sich 88 Prozent, dass die Bedeutung digitaler Therapien künftig zunimmt, was unter anderem nahelegt, dass zumindest ein Teil der bereits existierenden therapeutischen Handy Apps seinen Praxistest bestanden hat und die Verwender von diesen Smart-Health-Anwendungen tatsächlich profitieren.
  • Die Befürworter von therapeutischer Mobile Health oder einer Handydiagnose finden sich vor allem in den Smart-Health-affineren jüngeren Altersgruppen.

Zu den Voraussetzungen von Smart Health gehört die Möglichkeit, fortlaufend Daten über den eigenen Gesundheitszustand zu erheben und auf digitalem Wege auszuwerten. Im Alltag und beim Sport haben sich entsprechende Tracking-Gadgets bereits auf einer relativ breiten Basis etabliert. Pulsuhren, Fitnessarmbänder und Smartwatches zeichnen beispielsweise das persönliche Bewegungsverhalten und Kreislaufdaten auf oder messen den Energieverbrauch des Körpers.

14 Prozent der Befragten verwenden solche Smart-Health-Gadgets, um damit ihre Fitness zu dokumentieren. 27 Prozent können sich vorstellen, sie künftig zu verwenden. Das Interesse daran nimmt allerdings im höheren Lebensalter ab.

Dass die Fitness-Tracker in zehn Jahren zum Alltagsstandard zählen, meinen 86 Prozent der Befragten. An der Frage, ob dieser Trend wünschenswert ist, scheiden sich jedoch die Geister: 51 Prozent derjenigen, die davon ausgehen, dass sich das Tracking von Fitness- und Gesundheitsdaten durchsetzt, sehen diesen Trend eher skeptisch. Dagegen wünschen sich 75 Prozent der Verwender von Tracking-Gadgets, dass sich diese Smart-Health-Komponente künftig auf einer deutlich breiteren Basis etabliert.

Welche Daten sollen aufgezeichnet werden?

Im Fokus der Studienteilnehmer stehen hier der Wunsch nach Fitness und sportlichen Aktivitäten auf einer gesunden Basis. 71 Prozent der Befürworter von Tracking-Gadgets möchten hierfür ihre Kreislauf- und Bewegungswerte messen. Jedoch sind für diese Gruppe auch andere Vitaldaten von Interesse: 65 Prozent ihrer Vertreter möchten ihren Kalorienverbrauch und 49 Prozent die Zahl der aufgenommenen Kalorien ermitteln. Ebenfalls knapp 50 Prozent von ihnen interessieren sich dafür, ihren

Wichtigkeit Datenschutz Smartphones

Schlafrhythmus und ihre Trinkmenge durch Smart-Health-Geräte zu dokumentieren. 66 Prozent sind an der Aufzeichnung ihres Blutdrucks und 45 Prozent an der Dokumentation anderer medizinischer Daten – beispielsweise ihrer Blutzuckerwerte -interessiert. 40 Prozent wünschen sich, die im Sitzen verbrachte Zeit auf digitalem Wege zu ermitteln. Studienteilnehmer, die gesundheitsbezogene und therapeutische Smartphone Apps positiv bewerten, beziehen sich besonders stark auf den Gesundheitsaspekt von Tracking-Gadgets.

Privatwirtschaftliche Erhebungen bestätigen das Interesse der Verbraucher an den eigenen Gesundheitsdaten. Beispielsweise geben in einer Studie der Ericsson Consumer Labs aus dem Jahr 2017 über 60 Prozent der Befragten an, dass Tracking-Gadgets – die sogenannten Wearables – ihre Verwender in die Lage versetzen, ihren Gesundheitszustand zu kontrollieren. In dieser Untersuchung hoben die Studienteilnehmer anders als die Befragten der TK-Untersuchung unter anderem hervor, dass für sie auch die mobile Vernetzung mit ihren Ärzten, die Möglichkeit einer Echtzeit-Datenübertragung und damit einer Handydiagnose hierbei eine wesentliche Rolle spiele.

Umgang mit Gesundheitsdaten

61 Prozent der Studienteilnehmer würden ihre persönlichen Gesundheitsdaten in anonymisierter Form zu Forschungszwecken zur Verfügung stellen. Besonders hoch ist die Bereitschaft dazu im Osten Deutschlands (71 Prozent) sowie unter chronisch Kranken (69 Prozent). Ablehnende Positionen finden sich dagegen vor allem bei denjenigen, denen Datenschutz und Datensicherheit besonders wichtig sind. Die Nutzer von gesundheitsbezogene Handy Apps oder Smart-Health-Trackern sind zu 71 Prozent bereit, mit ihren Daten Forschungsaktivitäten zu unterstützen.

Zwei Drittel der Befragten sind der Ansicht, dass die Verknüpfung von Fitness- und Gesundheitsdaten mittels Smart Health innerhalb von zehn Jahren erhebliche Forschungsfortschritte bewirken wird. Als deutlich skeptischer erweisen sich hier Studienteilnehmer mit höheren Bildungsabschlüssen, von denen nur 41 Prozent diese Meinung teilen.

An die eigene Krankenkasse würden 63 Prozent der Befragten ihre Fitness- und Gesundheitsdaten in nicht anonymisierter Form übermitteln, um durch die Auswertung die Diagnose schwerer Krankheiten zu erleichtern. 49 Prozent stimmen einer Datenauswertung zu Präventions- und Früherkennungszwecken zu. 33 Prozent akzeptieren eine personalisierte Datenauswertung, um ihre Fitness professionell betreuen zu lassen oder in Form von Boni auf ihren Krankenkassenbeitrag davon zu profitieren. 26 Prozent ziehen dagegen keine freiwillige Datenübermittlung in Betracht.

Die digitale Transformation ist auch in den Arztpraxen angekommen. Terminvereinbarungen und Rezeptanforderungen regeln
Online-Arztpraxisneun Prozent der Studienteilnehmer online. 39 Prozent können sich vorstellen, dass sie mit den Praxen ihrer Ärzte künftig auch online kommunizieren. Für 51 Prozent kommen virtuelle Kontakte in diesem Bereich dagegen nicht in Frage. Dass die Online-Kommunikation mit Arztpraxen in zehn Jahren selbstverständlich sein wird, meint die Hälfte der Befragten, weitere 32 Prozent halten dieses Szenario für wahrscheinlich.

Digitalisierung der Arzt-Patient-Beziehung

In der TK-Studie geben acht Prozent der Befragten an, mit ihren Ärzten einfache gesundheitliche Fragestellungen auch per Telefon, E-Mail oder im Rahmen eines Online-Chats zu klären. 30 Prozent verfügen über keine diesbezügliche Erfahrung, haben gegen den Online-Kontakt zu ihren Ärzten jedoch auch keine Vorbehalte.

Altersgruppenübergreifend können sich mehr Männer (31 Prozent) als Frauen (23 Prozent) vorstellen, mit ihren Ärzten medizinische Fragen in einem virtuellen Rahmen zu besprechen. Jedoch schätzen auch die Digital Natives mehrheitlich den persönlichen Kontakt zu ihrem Arzt. In diesem Zusammenhang spielen auch Datenschutzaspekte eine Rolle. Insbesondere bei Befragten mit höheren Bildungsabschlüssen liegt hier ein Grund dafür, dass sie auf den direkten Arzt-Patienten-Kontakt nicht verzichten möchten. Andererseits würden 51 Prozent der Smart-Health-affinen Studienteilnehmer und insbesondere derjenigen, die bereits über Erfahrungen mit digitalen Arztgesprächen verfügen, wegen kleinerer Beschwerden nicht unbedingt persönlich in die Praxis kommen wollen.

Knapp 70 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass es sicher oder sehr wahrscheinlich ist, dass der Online-Chat mit Medizinern in zehn Jahren nicht die Ausnahme, sondern die Regel ist. Smart Health in Form einer digitalisierten Arzt-Patienten-Beziehung wünscht sich perspektivisch jedoch nur ein knappes Drittel der Befragten. Ablehnende Positionen vertreten insbesondere Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen, von denen nur 14 Prozent diesem Smart-Health-Szenario etwas Positives abgewinnen können.

Studienteilnehmer, die Mobile Health und Online-Recherchen zu Gesundheitsthemen als persönlich interessante Option betrachten, wünschen sich zu rund 50 Prozent, mit ihren Ärzten auch auf digitalem Wege in Kontakt zu treten. Unter den Befragten mit persönlichen Smart-Health-Erfahrungen befürworten sogar 70 Prozent, dass dieser Trend sich künftig stärker durchsetzt.

In aktuelle und künftige Smart-Health-Szenarien ist auch die Digitalisierung der Beziehungen zwischen Versicherten und Krankenkassen eingeschlossen. Im Vergleich zu den Kontakten zu Arztpraxen und Ärzten hat sich die virtuelle Kommunikation in diesem Bereich bereits deutlich stärker etabliert. 21 Prozent der Studienteilnehmer kommunizieren online mit ihren Krankenkassen, 33 Prozent können sich vorstellen, dass sie dies in Zukunft tun. Einen direkten, persönlichen Kontakt zu ihrer Krankenkasse wünschen sich vor allem Menschen mit gesundheitlichen Problemen, die dafür nur zu 24 Prozent eine digitale Lösung präferieren würden.

Davon, dass in zehn Jahren der Kontakt zwischen Versicherten und Kassen in deutlich größerem Umfang oder sogar ausschließlich online abläuft, gehen 88 Prozent aller Befragten aus, rund die Hälfte der Befragten hält dies auch für wünschenswert.

Die elektronische Gesundheitsakte – ein Eckpfeiler von Smart Health?

Ohne die elektronische Gesundheitsakte (eGA) sind Smart-Health-Konzepte nicht realisierbar. Die digitalen Gesundheitsakten enthalten sämtliche Gesundheits- und Behandlungsdaten des Patienten, die von allen behandelnden Ärzten, Krankenhäusern und Therapeuten eingesehen werden können, sofern der Patient dieser Einsichtnahme zustimmt. Hierdurch sind das Vermeiden von Doppeluntersuchungen, medizinische und gesundheitliche Prognosen, eine ganzheitliche Bewertung des Gesundheitszustands sowie die Entwicklung von personalisierten Behandlungsstrategien möglich.

digitaler_patientMehr als drei Viertel der Studienteilnehmer befürwortet die Einführung der elektronischen Gesundheitsakte. Bei Personen mit hoher Smart-Health-Affinität liegen die Zustimmungsraten mit Werten zwischen 80 und 90 Prozent sogar deutlich höher. 91 Prozent der Befragten versprechen sich davon eine verbesserte Zusammenarbeit zwischen ihren Ärzten und Therapeuten. 83 Prozent erwarten, dass ihre Gesundheitsdaten auf diese Weise besser nutzbar sind. Ihre persönlichen Fitnessdaten wollen 45 Prozent in der eGA gespeichert wissen.

Allerdings ist für 88 Prozent der Befragten wichtig, dass sie die Kontrolle darüber besitzen, welche Daten dort gespeichert werden und wer auf diese zugreift. 79 Prozent wünschen sich, dass sie ihre eGA-Daten auch selber weitergeben können. Jedoch ist der Wunsch nach Selbstbestimmung über die eigenen Daten ist bei Gesunden im Vergleich zu Kranken deutlich stärker ausgeprägt.

In diesem Zusammenhang kommt auch der in allen Alters- und Bildungsgruppen vorhandene Wunsch der Studienteilnehmer zum Tragen, als mündige Patienten zu agieren und für ihre Gesundheit gegebenenfalls auch unabhängig von ihren Ärzten aktiv zu werden – Smarth Health liefert eine wichtige Grundlage dafür.

Dass im Hinblick auf die Implementierung und die Akzeptanz von Smart Health in Deutschland noch sehr viel zu tun bleibt, liegt nicht nur anhand der Ergebnisse der TK-Studie auf der Hand.

Beispielsweise sollte das „Gesetz für sichere digitale Kommunikation und Anwendungen im Gesundheitswesen“ – das sogenannte eHealth-Gesetz – die Grundlagen für die Digitalisierung im Gesundheitswesen schaffen, das sich jedoch in diesem Bereich als wenig innovationsfreudig erweist. Auch die technischen Gegebenheiten für Smart Health sind hier aufgrund mangelnder Vernetzung in vielen Bereichen bisher nicht gegeben. Als Konsequenz daraus stehen dynamischen Entwicklungsunternehmen häufig eher schwerfällige Gesundheitseinrichtungen gegenüber, was die Implementierung von Smart Health maßgeblich hemmt.

Unternehmen, die sich im Bereich der Mobile Health engagieren, fokussieren sich bisher vor allem auf Handy Apps, die die Aktivitäten ihrer Nutzer tracken und sie zu gesundheitsförderndem Verhalten motivieren sollen – sie bedienen hiermit den Mainstream der Verwender solcher Smartphone Apps. Bedarf besteht jedoch an spezifischen Anwendungen für ausgewählte Zielgruppen, analysiert die Bertellsmann-Stiftung. Ein Beispiel hierfür sind digitale Lösungen, die alte oder kranke Menschen bei einem selbstbestimmten, sozial eingebundenen Leben unterstützen.

Optimal ist, wenn unter dem Aspekt der digitalen Vernetzung und der Echtzeit-Übermittlung medizinischer Daten in die Entwicklung solcher Anwendungen von vornherein Akteure aus dem klassischen Gesundheitsmarkt – Ärzte, Krankenhäuser, Therapeuten – einbezogen werden. In die gleiche Richtung weisen die politischen Debatten zu Smart-Health-Themen auf europäischer Ebene, in die auch Überlegungen zur Qualitätssicherung gesundheitsbezogener Smartphone Apps sowie zur Datensicherheit einbezogen sind.

Eine wichtige Voraussetzung für die Akzeptanz gesundheitsbezogener Smartphone Apps sind eindeutig definierte, transparente Funktionalitäten. Wichtig ist in diesem Kontext auch, klar zwischen Lifestyle-Anwendungen und therapeutischen Handy Apps zu unterscheiden, stellt die Verbraucherzentrale fest.